Philosophie-Performance-Abend in Berlin

Philosophie-Performance-Abend

[soundcheck philosophie] zeigt in Berlin drei experimentelle Performances von Eva Maria Gauß, von Helge-Björn Meyer / Karen Schönemann und von Veronika Reichl. Alle drei Performances befassen sich mit philosophischen Texten. Sie untersuchen die Texte in ihrer Komplexität, in ihrer Autorität und sie untersuchen die Art, wie wir sie lesen. Die Performances arbeiten unter anderem mit Animationsfilm und Tanz.

Veranstaltet vom Verein Expedition Philosophie e.V. im Anschluss an das Philosophie-Performance-Festival [soundcheck philosophie].

Wann? 11. 12. 2012 20:00 Uhr

Wo? ABTEILUNG FÜR ALLES ANDERE, INSTITUT FÜR ALLES MÖGLICHE   Ackerstraße 18, Gartenhaus, 10115 Berlin

Eintritt frei

Die Performances

Eva Maria Gauß: Körper-Denken Var. Nr. 2 (15 min)

Inwieweit ist unser Denken durch den Körper bestimmt? Können wir denken, wie unser Körper denkt? Zentraler Begriff in Hegels Phänomenologie des Geistes ist die „Vermittlung“. Wenn über die Interferenzen verschiedener kultureller Wissenspraktiken nachgedacht wird (etwa inwieweit „Wissen“ im Tanz zum Ausdruck kommt) stößt man bald auf die Figur der Übertragung oder der Vermittlung, in es eben nicht um einen „Wissenstransport“ geht, sondern um den Prozess der Wissensaneignung und Kommunikation. Mit der philosophischen Anthropologie Plessners geht es um die Bewegung der Vermittlung – beim Versuch Hegel zu verstehen.

Helge-Björn Meyer und Karen Schönemann „Ludwig Wittgenstein: Tractatus“ (15 min)

Die Leipziger Tänzerin Karen Schönemann wird auf der Bühne erstmals mit Auszügen aus dem  „Tractatus logico-philosophicus“ von Ludwig Wittgenstein konfrontiert und übersetzt, kommentiert  und kontrapunktiert dessen Worte in tänzerische Bewegungen. Gleichzeitig versucht sie die Vortragssituation durch ihre improvisierten Aktionen in einen Dialog umzuwandeln.

“Anything can happen during these encounters, where the only thing planned is that theory ambitiously give itself to improvisation.” Dieser Satz von André Lepecki gilt auch für diese Interventionsübung, denn die Tänzerin und Choreografin Karen Schönemann und der Dramaturg und studierte Philosoph Helge-Björn Meyer begeben sich bei dieser öffentlichen Begegnung, einem Bühnendialog zwischen Körper und Sprache, zwischen Bewegung und Denken auf unbekanntes Terrain, jedenfalls was die Form der Auseinandersetzung mit Tanz  und Performance angeht. Denn der Ausgang dieses Treffens zwischen Tanzkunst und Theorie ist ungewiss.

Veronika Reichl: Zwang und Entzücken: Philosophie lesen mit Deleuze (25 min)

Philosophie ist gewalt­tätig, sie ist voller Zwänge, sie spricht Verbote aus, sie schließt uns aus, sie ist sperrig und zwingt uns ihre Denkbewegungen auf. Philosophie muss uns ein starkes Versprechen geben, um uns zu motivieren uns durch komplexe Texte zu kämpfen, die wir erst nach und nach verstehen. Doch manchen von uns gibt sie ein so süßes Versprechen, dass dies alles auf­wiegt. Bestimmte Philosophen scheinen genau für uns geschrieben zu haben, sie können uns ein Denken und ein Entzücken schenken, das nirgendwo sonst zu bekommen ist. Dieses Entzücken ist nicht TROTZ des Zwanges, sondern WEGEN des Zwangs der Philosophie möglich. Die Performance sucht nach diesem Zusammenhang zwischen Zwang und Entzücken anhand von Texten und Thesen von Gilles Deleuze und Félix Guattari.

Kurzbiographien

Eva Maria Gauß

M.A. Philosophie / Theaterwissenschaft (Bielefeld, Wien, Leipzig), Zweitstudium Dipl. Sprechwissenschaft (Halle).Seit 2006 Solo-Lecture Performances (auch unter dem Double-Namen: Petra Lum) als „performative Sinnerfassungsmaßnahmen“. Theoretische Schwerpunkte: Philosophie des Körpers, Theateranthropologie, Theorie des Sprechens. Arbeitete in der Sozialforschung und in der Kulturadministration, seit 1997 in freien Theaterproduktionen in den Bereichen Schauspiel, Dramaturgie, Regie mit internationalen Auftritten. Tätig in der Lehre (Philosophie und Performance, Sprecherziehung, Theorie des Sprechens) an den Universitäten Bielefeld, Halle-Wittenberg, Magdeburg und an der UDK Berlin.

Helge-Björn Meyer

Helge-Björn Meyer (Dramaturg, Regisseur, Kurator), studierte Theaterwissenschaften und Philosophie an der Universität Leipzig; Schauspieldramaturg u. a. am Bremer Theater, Maxim-Gorki-Theater Berlin, Hebbel am Ufer Berlin; Tanztheaterdramaturg u. a. am Deutschen Nationaltheater Weimar, an der Oper Magdeburg, des weiteren in Rennes, Rio de Janeiro, Ankara, Bozen; 2004 – 2006 Tanzdramaturg für die „Internationale Tanzbiennale Venedig“; 2005 Künstlerische Leitung des „Tanzfest #3 Magdeburg“; 2008 und 2009 Kurator für die Berliner Festspiele; seit 2010 Dramaturgischer Berater für Tanz an der Oper Graz; Regiearbeiten u. a. am Schauspiel Leipzig und am Kunsthaus Tacheles Berlin; 2009 Hörbuchregie; 2010 Spielfilmdramaturgie („Bedways“); 2011 Nominierung für den Deutschen Filmpreis „Lola“.

Veronika Reichl

Veronika Reichl (Dr. phil) studierte Kommunikationsdesign und Media Art in Stuttgart und Portsmouth. Sie promovierte 2008 im Bereich Artistic Research an der University of Portsmouth zur Visualisierbarkeit von theoretischer Sprache. 2009/2010 verwirklichte sie an der Oslo School of Architecture and Design ein Forschungsprojekt zur Vermittlung von Philosophie mit Hilfe von Animationsfilm. Veronika Reichl arbeitet als Autorin und Künstlerin in Berlin.

Karen Schönemann

1970 geboren, lebt und arbeitet Karen Schönemann heute in ihrer Geburtsstadt Leipzig als freischaffende Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreographin. Ihren Abschluss als Diplom-Tanzpädagogin absolvierte sie 1995 an der Hochschule für Musik und Theater “Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.Erfolgreiche, abendfüllende Choreographien entstanden 1993 bis 1999 als Künstlerische Leiterin des Leipziger Tanztheaters.Als Gastchoreographin wurde sie 1992 vom Vogtland Theater Plauen-Zwickau und 1995 an das Thalia Theater Halle/Saale engagiert.Seit dem Jahr 2000 entstehen immer wieder in Zusammenarbeit mit Künstlern unterschiedlicher Genres Choreographien und Improvisationen, die in verschiedenen Tanzperformances zu sehen sind. Nachdem Karen Schönemann ihre Erfahrungen als Tänzerin im In- und Ausland sammeln konnte, unterrichtet sie seit 2004 kontinuierlich in Zeitgenössischem Tanz, Kontakt-Improvisation und Klassischem Tanz, seit 2011 auch als Lehrbeauftragte für Tanz an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.Choreographisch begleitete sie von 2008 bis 2011 die Festspiele des „Altenburger Prinzenraubes“.2007 und 2011 leitete Karen Schönemann die „Bewegungswerkstatt“ beim Festival „Greizer Theaterherbst“.

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